Auf jede Frage die richtige Antwort

Wie Sie als Führungskraft auf unangenehme Fragen reagieren
und mittels Körpersprache überzeugen

Stellen Sie sich vor, Sie halten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung eine Rede mit für die Zuhörer unerfreulichem Inhalt. Oder Sie versuchen in einem Vortrag, einen als schwierig geltenden Investor für Ihr Unternehmen zu gewinnen. Nach Ihrer Präsentation kommen Fragen und Sie wissen genau, dass diese nicht immer angenehmen sein werden, denn man möchte Sie und Ihre Ideen ja auf Herz und Nieren prüfen. Wie erzeugen Sie trotz Nervosität eine souveräne Wirkung und brillieren mit Ihrer Körpersprache und Ausstrahlung?

Als Erstes empfehle ich:
Tief durchatmen. Viele Entscheider machen in solchen Situationen den Fehler, die Luft anzuhalten. Dadurch steigt aber nur die Nervosität. Nehmen Sie sich Zeit, bevor Sie antworten. Trinken Sie ruhig auch einen Schluck Wasser, das hilft, nicht nur Zeit zu gewinnen, sondern auch Ihren womöglich trockenen Hals zu lösen. Beginnen Sie Ihre Antwort mit ruhiger, tiefer Stimme; das Mittel der Wahl ist hier der Bogensatz: Während des Satzes heben Sie Ihre Stimme und am Ende senken Sie sie. Dadurch wirkt Ihr Satz lebendig und wird gleichzeitig durch die Senkung abgeschlossen. So wirken Sie dem Publikum gegenüber kompetent und sicher.

Achten Sie zudem auf sogenannte adaptive Reaktionen Nervös wirkende Verhaltensweisen wie wegwischende, kratzende und reibende Bewegungen. Beispiele: Sie reiben Ihre Fingerspitzen aneinander, kratzen sich am Oberkörper oder Hals-, Kopfbereich, spielen nervös mit Gegenständen oder wischen virtuell Fussel oder Staubkörnchen am Tisch oder Sakko weg. Legen Sie die Hände ruhig am Tisch ab oder im positiven Zentrum (Nabelbereich) locker ineinander. Vermeiden Sie hektische Bewegungen und klammern Sie sich nicht an einen Kugelschreiber oder Mikrofon. Achten Sie bei Ihrem Vortrag vor allem auch darauf, dass Ihre Körpersprache stimmig mit dem Gesagten ist. Das erzeugt Wirkungskompetenz. Verschränken Sie also nicht die Arme, wenn Sie auf etwas Positives, Offenes hinauswollen, oder versinken Sie nicht im Stuhl oder lassen missmutig die Schultern hängen, wenn Sie gerade von Aufschwung sprechen.

Wichtig ist zudem Ihre innere Haltung. Stellen Sie sich vor, Sie müssten verkünden, dass bei der Zwischenbilanz ein Verlust in Höhe der Hälfte des Grundkapitals festgestellt wurde. Klar werden hier kritische Fragen kommen. Nehmen Sie die Einwände auf, zeigen Sie Empathie mit dem Fragesteller und gestehen vergangene Fehler ein. Das vermittelt Authentizität und bringt Ihnen Sympathiepunkte ein. Geben Sie gleichzeitig einen Lösungsvorschlag und erklären beispielsweise, was die durch den Verlust nun vorgesehene Umstrukturierung für Vorteile mit sich bringt. Bei wirklich unangebrachten Fragen haben Sie übrigens durchaus das Recht, die Antwort zu verweigern. Bleiben Sie aber auch hier sachlich, höflich und wenden Sie sich einfach dem nächsten Fragesteller zu.

Thema Humor: Sicher ist es richtig, hier und da mit einer Prise Humor unangenehme Fragen zu umschiffen, jedoch sollten Sie vorsichtig sein, denn an der falschen Stelle angebracht, bröckelt nicht nur ihre vermeintlich selbstsichere Ausstrahlung, sondern Sie werden gar als arrogant und vor allem unglaubwürdig wahrgenommen. Die richtige Einschätzung der Situation erfordert viel Erfahrung und jede Führungskraft sollte sich klar sein: Nur Übung macht den Meister, erst recht bei einer Krisenbewältigung.

Ihre Monika Matschnig
Expertin für Körpersprache und Wirkungskompetenz