
Wer kommt Ihnen spontan in den Sinn?
Ja, ich weiß. Dieser Name bekommt ohnehin schon mehr als genug Aufmerksamkeit. Und dennoch: Wenn es um stark ich-bezogene Sprache und Superlative geht – wer kommt Ihnen spontan in den Sinn? Viele denken an Donald Trump. Nicht als politische Bewertung, sondern als sprachliches Beispiel.
Er ist das ultimative Beispiel für ich-bezogene Rhetorik. Aussagen wie:
Diese Aussagen zeigen zwei typische Elemente: starke Ich-Zentrierung und konsequente Superlative – the best, the greatest, nobody knows more, ever. Diese Sprache arbeitet mit Überhöhung und Absolutheit. Sie stellt die eigene Person ins Zentrum – und macht das ICH zur Botschaft.
Joel Amernic und Russell Craig haben die Sprache von CEOs unter die Lupe genommen. In ihrer Analyse von CEO-Reden zeigen sie: Wer auffällig häufig „ich“ sagt und stark mit Superlativen wie „weltweit einzigartig“, „alternativlos“ oder „revolutionär“ operiert, signalisiert nicht nur Führungsstärke, sondern möglicherweise auch narzisstische Tendenzen (Amernic & Craig, Decoding CEO-Speak, 2021).
Das hat zwei Seiten:
Wenn Erfolge persönlich verbucht werden und Misserfolge „am Markt“ oder „am Umfeld“ liegen, lohnt es sich, genau hinzuhören.
Mehr, als Sie denken. Bei jeder Präsentation, bei jedem Reporting, bei jedem Pitch gilt: Nicht nur was Sie sagen, zählt. Sondern wie.
Typische Muster, die Vertrauen kosten:
Weniger Superlativ. Mehr Substanz. Weniger Drama. Mehr Stabilität. Führung zeigt sich nicht im größten Wort. Sondern im klaren Satz.
Vielleicht ist wahre Autorität nicht die Stimme, die am lautesten sagt: „Ich bin ein Genie.“
Sondern die, die ruhig formuliert: „Hier war die Entscheidung nicht optimal. Und hier gehen wir weiter.“
Ihre Monika Matschnig,
Dipl. Psychologin und Expertin für Körpersprache, Wirkung und Performance
Quellen:
Amernic, J. H., & Craig, R. (2021). Decoding CEO-Speak. University of Toronto Press. https://doi.org/10.3138/9781487533014