eros oder thanatos

Eros oder Thanatos

Die leise Entscheidung für Leben oder Stillstand

Kennen Sie auch solche Aussagen?

  • „KI nimmt uns allen die Arbeit weg.“
  • „Schon wieder ein neues Update?“
  • „Homeoffice hat die Leute faul gemacht.“
  • „E-Autos sind ineffizient.“
  • „4 Tage Woche – Blödsinn.“

Solche Sätze fallen schnell. Und doch verraten sie mehr als eine Meinung. Denn hier entscheidet sich leise: Öffne ich mich für Veränderung – oder ziehe ich mich zurück?

Genau an dieser Stelle verläuft die Linie: zwischen Eros – der Kraft des Lebendigen – und Thanatos – dem Prinzip des Stillstands.

Thanatos

Thanatos, ein Begriff aus der Psychoanalyse von Sigmund Freud, beschreibt zunächst den biologischen Tod. Doch im Alltag begegnet er uns viel früher. Nicht als Ende, sondern als Erstarrung. Als leises inneres Abwenden vom Neuen.

Diese Form des „inneren Rückzugs“ beginnt oft unscheinbar. In Sätzen wie: „Früher war alles besser.“ Oder: „Das ist nichts für mich.“ Eine Entscheidung gegen Entwicklung? Und damit – gegen das Leben selbst. Denn Leben folgt keinem statischen Prinzip. Es folgt Bewegung. Veränderung. Wachstum. Wer stehen bleibt, verliert nicht nur Anschluss – er verliert Lebendigkeit.

Eros

Dem gegenüber steht Eros. Nicht nur als romantische Idee gedacht, sondern als Haltung. Als Bereitschaft, sich einzulassen. Auf Neues, auf Unsicherheit, auf Veränderung. Heraklit hat es klar formuliert: Panta rhei – alles fließt. Wir können nicht zweimal in denselben Fluss steigen.

Das ist Leben: Es bleibt nicht, wie es ist.

Doch Veränderung ist selten bequem. Sie fordert uns heraus, sie reißt auf, sie zwingt zur Entscheidung. Besonders deutlich wird das in Trennungs- und Verlustprozessen. Wir neigen dazu, lange an Dingen festzuhalten – an Beziehungen, an Jobs, an Dynamiken, die längst lieblos geworden sind. Wir hoffen, dass sich etwas „von selbst“ verändert. Dass es wieder wird. Aber manchmal braucht es keine vorsichtige Anpassung mehr. Manchmal braucht es eine klare Entscheidung. Keine langsame Mutation – sondern eine Amputation.  Das klingt radikal, und das ist es auch. Wenn etwas dauerhaft nicht mehr nährt, nicht mehr trägt, nicht mehr lebendig ist, dann ist Loslassen kein Scheitern. Es ist ein Akt von Selbstachtung. Ein Schnitt, der schmerzt – aber Raum schafft.

Johann Wolfgang von Goethe schrieb im Gedicht „Selige Sehnsucht“:

 …Und so lang du das nicht hast,
Dieses: Stirb und werde!
Bist du nur ein trüber Gast
Auf der dunklen Erde.

Was heißt das? Es bedeutet, sich immer wieder von alten Versionen seiner selbst zu verabschieden. Von Gewohnheiten, von Sicherheiten, von Vergangenheiten. Viele Menschen umgehen genau diesen Prozess. Sie greifen zur Kompensation.  Das ist nicht Leben, sondern ein Ausweichen. Ein Versuch, das Ungelebte zu betäuben. Ob durch Arbeit, Ablenkung oder äußere Bestätigung – es bleibt ein Surrogat.

Eros hingegen öffnet sich. Er sucht das Neue – und vor allem die Verbindung. Nicht oberflächlich, sondern echt. Es ist eine bewusste Hinwendung zum Leben: zu Begegnung, Beziehung und gelebter Menschlichkeit. Und doch fällt uns genau das zunehmend schwer.

Vielleicht, weil wir gelernt haben zu funktionieren. Verlässlich, kontrolliert, konstant – wie eine Zentralheizung. Immer auf Temperatur, aber ohne echtes Feuer. Wir laufen stabil, aber nicht lebendig.

Aus diesem Mangel heraus verlagern viele die Suche nach außen. Schönheit, Anerkennung, Bestätigung sollen füllen, was innen leer geworden ist. Doch der eigentliche Kosmos liegt im Inneren. Wer nur darauf wartet, gesehen zu werden, verliert den Kontakt zu sich selbst.

Die vielleicht größte Liebesgeschichte ist deshalb nicht die zwischen zwei Menschen. Es ist die Beziehung zu sich selbst. Sich ernst zu nehmen. Sich weiterzuentwickeln. Sich auch zuzumuten.

Denn das Leben stellt uns immer wieder vor neue Zyklen, neue Rollen, neue Beziehungen. Und mit jeder Phase dieselbe Frage: Bleibe ich stehen – oder gehe ich weiter?

Am Ende ist es keine große, einmalige Entscheidung. Es ist eine tägliche Wahl: Eros – oder Thanatos.

Ihre Monika Matschnig,
Diplom-Psychologin, Systemischer Coach und sinn- und wertorientierte Begleitung (DGL® Logotherapie)

Monika Matschnig
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