Inszenierungen

Inszenierungen in der Politik

Ein kritischer Blick

Die Rolle des Politikers hat sich in den letzten Jahrzehnten enorm gewandelt. Hat der Wähler früher eine Partei gewählt, so wird nunmehr eine Person gewählt. Die seit vielen Jahren angekündigte Amerikanisierung der Wahlkämpfe – und mithin der Politik an sich – ist Realität geworden in Deutschland. Im Bundestagswahlkampf, der in formeller Hinsicht ein Kampf der Parteien ist, treten in der öffentlichen Arena Personen gegeneinander an. Schröder gegen Stoiber. Merkel gegen Steinbrück. Den Wählern präsentieren sie sich in so genannten Kanzlerduellen, in dem es allein um eine Frage geht: Wer wirkt überzeugender?

Die Wirkungskompetenz eines Politikers ist heutzutage wichtiger denn je

Mit Sicherheit können wir sagen, dass die Wirkungskompetenz eines Politikers heutzutage wichtiger denn je ist – und vermutlich in Zukunft noch entscheidender sein wird. Ohne Medien- und Imageberater kommt kein bedeutender Politiker mehr aus. Die Kunst dabei ist es, die Inszenierung nicht als Inszenierung erscheinen zu lassen.

Doch geht der Politik durch mehr Selbstinszenierung die Ernsthaftigkeit verloren? Drohen wenig mediengerechte, aber kompetente Persönlichkeiten an den Gesetzen der Mediengesellschaft zu scheitern? Haben wir bald nur noch eitle Selbstdarsteller an den Schaltstellen der Nation, wie von manchen Kritikern befürchtet wird? Diese negative Sicht teile ich nicht. In solchen Fragen schwingt immer ein Früher-war-alles-besser-Gefühl mit. Damals, da hätte es ja noch wackere, echte politische Gestalten gegeben, mit Rückgrat und klaren Überzeugungen. Ironischerweise waren diese Vorbilder allesamt grandiose Selbstdarsteller, die sich zu inszenieren wussten. Das polternde Gehabe eines Franz-Josef Strauß. Die ikonenhaften Gesten eines Winston Churchills. Die sphärische Abgehobenheit eines Willy Brandts. Auch sie waren Kinder ihrer Zeit und kommunizierten so mit der Öffentlichkeit, wie es möglich und nötig war. Ihre Inszenierungen dienten immer ihrer politischen Agenda wie auch ihrem persönlichen Vorankommen. Lebten sie in der Gegenwart, würden sie vermutlich ganz anders auftreten.

Ist Wirkungskompetenz alles?

Karrieren wie z.B. die von Angela Merkel belegen, dass auch aus grauen Mäusen in Sachen Wirkung etwas werden kann, wenn sie sich lernfähig zeigen. Vor allem wird deutlich: Der Weg zur gelungenen Selbstinszenierung ist immer ein Weg zu uns selbst.

Ihre Monika Matschnig,
Expertin für Körpersprache, Wirkung und Performance

Lizenzfreie Stockillustrations-Nummer: 764392768 / Shutterstock.com

Monika Matschnig
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