„Wer hören kann, wird fühlen“

Wer hören kann, wird fühlen

Die emotionale Wirkung von Klängen
und was eine akustische Sensibilisierung bewirken kann

Keinen anderen Sinn entwickeln wir so früh wie die Fähigkeit zu hören. Schon im Mutterleib nehmen wir gedämpfte Klänge wahr, die unser Ohr durch das Fruchtwasser erreichen, und treten auf diese Weise in ersten Kontakt mit der Außenwelt. Diese frühen akustischen Erfahrungen prägen uns nachhaltig und begleiten uns das ganze Leben lang.

Auch im Erwachsenenalter empfinden wir Geräusche, die einem Herzschlag ähneln, als angenehm und beruhigend. Aber auch alle anderen Töne, die uns umgeben, rufen eine bestimmte Wirkung in uns hervor. Wir empfinden sie als angenehm oder unangenehm, sie versetzen uns in eine entspannte oder angespannte Stimmung, machen uns glücklich oder traurig und können noch hundert andere Stimmungen in uns hervorrufen.

Noch intensiver ist die Wirkung, die Musik, also bestimmte Tonkombinationen bzw. Melodien, auf uns ausüben kann. Wie stark die emotionale Wirkung von Klängen ist, wird vor allem in ihrer Kombination mit visuellen Eindrücken deutlich, wie beispielsweise beim Fernsehen. Oder können Sie sich einen TV-Thriller ohne die entsprechende musikalische Untermalung vorstellen, die die Spannung noch ein wenig mehr steigert?

Der Grund für diese intensive emotionale Wirkung von Klängen ist in unserer Entwicklungsgeschichte zu finden. Schließlich hatte unser Gehör schon seit jeher die Aufgabe, uns vor Gefahren zu warnen. Ging es dabei ursprünglich eher um Raubtiere, schützen uns unsere Ohren heute hauptsächlich vor Risiken im Straßenverkehr und nehmen – anders als beispielsweise unsere Augen – auch im Schlaf Alarmsignale wahr.

Nicht zu vergessen die Orientierungshilfe, die uns das Gehör bietet. Nicht umsonst haben wir zwei Ohren, denn ein Ton von links erreicht das linke Ohr als das rechte. Die zeitliche Verschiebung ist minimal – sie beträgt weniger als eine Tausendstelsekunde – genügt aber, damit unser Gehirn die Geräuschquelle orten kann.

Trainieren Sie Ihre Ohren!

Bestimmt ist Ihnen das so genannte absolute Gehör ein Begriff. In der Welt der Musik wird darunter die Fähigkeit verstanden, einen Ton ohne Bezugston (etwa von einer Stimmgabel) bestimmen zu können. Das heißt, dass ein Mensch mit absolutem Gehör einen beliebigen auf dem Klavier angeschlagenen Ton benennen kann, während Menschen mit »normalem« Gehör sich meist um einige Halbtonschritte verschätzen.

Eine Begabung, die ein rein angeborenes Talent und extrem selten ist – angeblich. Versuche in japanischen Musikschulen haben nämlich gezeigt, dass ein absolutes oder nahezu absolutes Gehör auch antrainiert werden kann.

Keine Angst: Ihr Ziel soll es nicht sein, in jahrelanger harter Arbeit ein absolutes Gehör zu entwickeln. Ein bewussteres Hören zu trainieren und die Klangwelt um sich herum genauer wahrzunehmen, ist jedoch ein lohnenswertes Vorhaben.

Zum einen werden Sie vielleicht auf interessante Geräusche und Klänge stoßen, die Sie schon lange nicht mehr bewusst wahrgenommen haben, wie beispielsweise das Zwitschern verschiedener Vögel, das Geräusch, das der Wind macht, wenn er durch hohe Bäume streift oder das appetitliche Blubbern Ihrer Lieblings-Tomatensoße. Zum anderen finden Sie auf diese Weise heraus, welche Töne, Klänge und Melodien Ihnen guttun, bei welcher Musik Sie entspannen können, welche Geräusche Ihnen im wahrsten Sinne des Wortes den Nerv rauben und welches Ihr Gute-Laune-Lied ist, das Sie bei einem Anflug von schlechter Stimmung auflegen können.

Hier einige Tipps, wie Sie sich akustisch sensibilisieren können:

1. Setzen Sie sich entspannt zu Hause aufs Sofa, auf eine Bank im Park oder in ein Café und achten Sie ganz bewusst auf die Geräusche. Versuchen Sie dann, einzelne Geräusche herauszufiltern und konzentriert nur diesen zu lauschen. Sie werden überrascht sein, was Ihnen alles zu Ohren kommt und wie spannend es sein kann, sich gezielt auf einen Sinn zu konzentrieren.

2. Suchen Sie einen bestimmten Ort zu verschiedenen Tageszeiten auf und vergleichen Sie die Klangwelten. Welche Geräusche hören Sie frühmorgens, mittags oder abends? Wann ist es am lautesten? Ist ein bestimmtes Geräusch immer dabei? Werden Sie zum akustischen Detektiv!

3. Schalten Sie mal für einen Tag alle Geräuschquellen aus, mit denen Sie sich normalerweise freiwillig umgeben, wie z. B. das Radio. Auf diese Weise können Sie sich für bewussteres Hören sensibilisieren. Noch intensiver wird diese Erfahrung, wenn Sie mithilfe von Ohrenstöpseln einige gewisse Zeit »gehörlos« verbringen. Natürlich am besten zu Hause!

4. Achten Sie darauf, welche Geräusche in Ihnen welche Gefühle oder Gedanken auslösen. Was empfinden Sie bei Hundegebell oder beim Rauschen von Wasser?

5. Achten Sie auch auf den Klang und die Lautstärke der Stimmen um Sie herum. Welche Stimmen mögen Sie und welche nicht? Fragen Sie sich, warum Sie manche Stimmen angenehmer empfinden als andere. Ist es die Tonhöhe, die Lautstärke, die Geschwindigkeit oder ein Akzent?

6. Stellen Sie sich verschiedene Sammlungen von Musikstücken zusammen, die unterschiedliche Stimmungen bei Ihnen auslösen, also zum Beispiel einen Gute-Laune-Mix, einen Entspannungs-Mix, einen Arbeits-Mix oder Einschlaf-Mix. Nutzen Sie die emotionale Kraft und Energie von Tönen und Melodien!

Ihre Monika Matschnig,
Expertin für Körpersprache, Wirkung und Performance

Bild: Stefan Melzer · Nina Vetrova / Shutterstock.com


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